Er bloggt wieder… anderswo

Ich blogge wieder. Aber woanders. Diesmal direkt bei Wordpress, und zwar hier. Vielleicht schaut ja jemand dort vorbei, der hier auftaucht.

Endstation

Killerspray killt Killervirus

Ich weiß nicht ob ich Angst haben, mich vor Abscheu schütteln, oder vor lauter Genialität mein Haupt vor den Verantwortlichen beugen sollte. Heute, es ist nicht lange her, da ließ ich wieder all dies Nachmittagsprogramm auf mich einprasseln (Two and a half Men ist übrigens fantastisch, nur mal so am Rande), da wurde es, wie immer, von Werbung unterbrochen. Und was für Werbung. Selten saß ich nach einem Spot mit offenem Munde da. Ja, es ist offiziell, es ist bestätigt: Sagrotan entfernt Schweinegrippe-Viren! Das ist kein Witz, zumindest nicht von mir. Wir kennen doch alle diese nette Werbung, in der das verschnupfte Kind allerlei Sachen anfingert und darauf seine Bakterien hinterlässt, die aussehen wie lang gezogene PacMan-Geister. Da hat man am Ende noch den Hinweis auf die wirkungsvolle Bekämpfung von Schweinegrippe-Viren eingebaut. Fantastisch. Überhaupt die Idee, die Idee auf so etwas zu kommen! Ich bin begeistert und habe mich, selbstverständlich, bereits mit 50 Litern Sagrotan eingedeckt und laufe nur noch sprühend herum. Kommt mir ein kräftiger Mann entgegen, ich besprüh ihn. Damit tut man schließlich etwas für die Allgemeinheit. Ein Flegel wer sich jetzt nicht mit diesem Wundermittel eindeckt, darin badet, es trinkt, inhaliert und seiner Lebensgefährtin zum Geburtstag schenkt, mit den Worten »Deine Sicherheit bedeutet mir nun mal sehr viel.«

Wie grandios muss dieses Wundermittel der modernen Schreckensbekämpfung denn sein, dass es das Killervirus, die Vorlage für tausende, zukünftiger Horrorromane besiegen kann? Ich sage, wir brauchen keine Impfungen mehr. Wir brauchen keine Körperhygiene. Wir brauchen Sagrotan. Werft die Rettungspläne über Bord, das Allheilmittel ist erschienen. Lasst uns einen Film drehen. Einen Film mit überdimensionalen Grippeviren, unter anderem gespielt von Bud Spencer und Günther Beckstein. Der Held des Streifens ist dann Jean-Claude van Damme (mit Vokuhila versteht sich), der eine unterbezahlte, vom Leben enttäuschte Putzkraft spielt. Und gerade dieser Nobody, der zufälligerweise alle Kampfsportarten dieser Welt aus dem FF beherrscht und mit seinem gestählten Body die Frauen in den Endfünfzigern begeistert, soll die Welt retten? Ja! Denn sein Universalgürtel hält nicht ein, nicht zwei, sondern drei (!), sage und schreibe drei Desinfektionssprüher. Ein rechts, ein links und eins in der Mitte. Mit diesem Wundermittel und seinen unvergleichen Dropkicks, Moves und der unfassbaren Mimik rettet er die Welt und gewinnt die Frau fürs Leben. Jane, gespielt von Katie Price und Carmen Electra, ist eine mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Wissenschaftlerin, ehemalige Miss Universe und der Grund für Hugh Heffners langes Leben, die dem Sagrotanspray anfangs aber gar nicht traut. Die Zweiflerin fühlt sich nämlich überlegen. Außerdem fühlt sie sich offiziell natürlich nicht von van Dammes unwiderstehlichem Blick angezogen, aber innerlich lächzt sie danach, was sich dann am Ende des Films zeigt, wenn die beiden Arm in Arm über die toten Schweinegrippeviren schlendern und im Sonnenuntergang verschwinden. Denn natürlich werden sie die Viren besiegen.

Nach dem beispiellosen (Miss-)Erfolg des Films erscheint die offizielle Videospielumsetzung, produziert von Ubisoft und die (zusätzliche) Drehbuchvorlage liefert Tom Clancy. In dem Spiel wird man Wunsch der Spieler aber nicht van Damme spielen, sondern die Grippeviren. Die sind wenigstens cooler. Außerdem haben sie bereits jetzt Jamba (oder welchen Verein auch sonst. Heißen ja alle gleich dämlich) infiltriert, die mittlerweile den Grippevirusscanner anbieten. Den gibt es wirklich. Und der soll anzeigen, ob man nun erkrankt ist, oder nicht. Ich will mich nicht rühmen, aber ich habe damit gerechnet. Und ich will diesen Eintrag zu Ende bringen, nur fällt mir kein geeigneter Schluss ein. Das kommt davon wenn man voller Begeisterung und, ähm, Abscheu ist. Richtig. Abscheu, das ist das Wort, nach dem ich gesucht habe…

Medienarbeit greifbar gemacht

Ich weiß nicht, ob es mich erschrecken soll, oder ob ich mich darüber freuen soll. Aber Fakt ist, ein Großteil der Besucher meines Blogs, erreichen mich tatsächlich über die Top-Suchbegriffe »Schweinegrippe« und »Ärsche«. »Transvestiten« darf man natürlich auch nicht vergessen. Und der Dauerbrenner ist eigentlich immer noch »(Klein-)Kind mit offenem Mund«. Ich, der sich einbildet mit seinen gesellschaftskritischen und nie ausfallenden, pädagogisch sowie ökonomisch wertvollen Beiträgen die Weltbevölkerung zu bilden und zu unterhalten (!) - das soll mir mal jemand nachmachen - (selbstironisch bin ich auch noch) wird auf die niedersten Suchbegriffe überhaupt reduziert. Aber eines ist besonders interessant zu beobachten: Wenn in den Medien viel über die Schweinegrippe berichtet wird, dann habe ich auch mehr Zugriffe von diesen Suchbegriffen. Spektakulär, nicht? Ich freue mich schon auf die nächste Staffel des Dschungelcamps. Da habe ich ja auch mal was drüber gesprochen.
In Zeiten des Wahlkampfs muss man das doch eigentlich ausnutzen. Man könnte glatt Schlagwörter wie »SPD koaliert mit Linken«, oder »Westerwelle und Wowereit ein Paar!« in seinen Blog einbauen, um mehr Zugriffe zu erhalten. Aus ethischen Gründen verzichte ich darauf aber selbstverständlich. Ich bin ja keine Bild-Zeitung. Oder ein Politiker der Linken. Oder ganz was anderes, ekliges. Ich finde es einfach toll, wie selbst der kleine Blogger von den Medien profitiert. Danke dafür.

Warum habe ich eigentlich noch nichts über Ulla »Ich darf das« Schmidt geschrieben?

Allein unter Wildschweinen und Zombies

Eigentlich auf GamersGlobal.de veröffentlicht, zitiere ich mich hier selber, um mein Blog auch mit Leben zu füllen, wenn mich andere Dinge beschäftigen. Alles andere wäre ja fahrlässig.

Egal ob Divinity, Drakensang, Elder Scrolls, Gothic oder auch Neverwinter Nights - Man kämpft ständig gegen die austauschbaren, völlig belanglosen Fließbandgegner. Von Wildschweinen über Ratten bis hin zu Zombies begegnet man allen Rollenspielklischees. Hauptsache sie sind seelenlos und geraten schnell in Vergessenheit.
Vor gut einer Woche kam das heiß erwartete Paket, mit dem heiß erwarteten Inhalt Divinity 2 bei mir an. Viele Jahre Entwicklungszeit, viele Wochen und Monate Wartezeit für einen nach Spaß gierenden Rollenspieler wie mich. Und all diese Zeit um gegen, nun ja, Wildschweine und Goblins zu kämpfen? Ich wusste es ja eigentlich im voraus. Am Anfang eines jedes Rollenspiels stehen und krabbeln die Ratten, Wildschweine, Spinnen, Goblins, Skelette und Zombies. Jedes Rollenspiel, was im entferntesten mit Fantasy zu tun hat, setzt mir die immer gleichen, immer gleich dämlichen und charakterlosen 0815-Gegner vor die Nase. Warum?

Nun, diese Frage aus der Sicht eines Entwicklers und Publishers anzugehen ist eigentlich ganz einfach. Seelenlose und blöde Wildschweine sind halt sehr viel weniger aufwändig in der Entwicklung, als ein einzigartiger Gegner. Deshalb gibt es auch in jedem Rollenspiel das Totkloppen von diesen langweiligen Kreaturen, das ab und zu durch das Auftauchen eines großen Gegners, einem Unikum, unterbrochen wird.
Nachdem man diesen Welten zerstörenden Feind besiegt hat, geht es von vorne los. Und bevor man den Zwischengegner überhaupt angehen kann, heißt es noch oftmals seine treu ergebenen Begleiter zu erledigen. Richtig, das sind dann Skelette, Zombies und Goblins.

Bei allem Verständnis für die finanziell nicht gerade gesegneten Entwicklerstudios, es nervt mich. Es nervt mich gewaltig, in jedem Rollenspiel gegen die gleichen Monsterhorden zu kämpfen.
Drakensang ist mit seinen Nebenquests geschlagene 80 Stunden lang. In diesen 80 Stunden läuft man von Skelett zu Skelett, von Zombie zu Zombie, von Räuber zu Räuber und von Ort zu Ort. Sicher unterhalten mich die häufigen Unterbrechungen durch die Story und Zwischengegner immer wieder. Aber ich hätte viel lieber 20 oder 30 Stunden gegen Gegner mit Hintergrund und Charakter gekämpft. Gegen Ungeheuer die von ihrem Gewissen geplagt werden, weil sie immerzu Appetit auf Menschenfleisch verspüren. Oder gegen hundsgemeine, kleine Giftzwerge die mit ihrem Intellekt versuchen die Massen auf ihre Seiten zu bringen. Ich hätte gegen alles gerne gekämpft, nur nicht gegen diese austauschbaren Massengegner.

Doch die Liste der schlagkräftigen Argumente für diese Gegnervervielfältigung nimmt noch gar kein Ende. Rollenspiele hegen meistens den Anspruch eine nachvollziehbare und logische Welt zu simulieren. Da stellt sich natürlich die Frage, wie soll man diese Welt “sinnvoll” füllen? Gegner braucht man immer. Da ist es einfach zu erklären, warum man gegen Wildschweine kämpft. Das sind schließlich total aggressive Tiere. Und Bären sind natürlich mindestens genau so angriffslustig.
Und warum sollte man keine Skelette, Zombies und Geister bekämpfen? Die sind schließlich die Ausgeburt des Bösen und gruselig noch dazu.

Aber ich frage die Entwickler: Wo kommen diese Gegner eigentlich alle her? Warum bedeutet jeder verlassene Friedhof und jede verlassene Kirche automatisch, dass darin Zombies und Skelette ruhen? Warum schlummert in jedem unterirdischen Gewölbe ein Geist? Und warum sind diese Kreaturen alle so schrecklich böse?
Ausrede A lautet: Ist halt so. Ausrede B lautet: Ein böser Magier hat sie erschaffen/gezwungen. Und natürlich hat ein böser Magier nichts Besseres drauf als eintönige Skelette und Zombies. Sehr nachvollziehbar.
Skelette sind in der Lage zu laufen, (teilweise) zu zaubern und sogar zum Bogenschießen. Warum können sie keinen Charakter besitzen? Warum kann mir in Divinity 2 jede Hausfrau ihre Lebensgeschichte erzählen und (dank einem Zauber) mir ihre Gedanken offenbaren, aber kein normaler Gegner eine Bemerkung abgeben? Oder gar eine Entscheidung fällen?

Höchstwahrscheinlich ist die Spielmechanik die Antwort. Die einfache und gut zu entwickelnde Spielmechanik. Warum ein Risiko eingehen und dem Spieler Ungewohntes vorsetzen, und ihn nicht jede wehrlose Kreatur totprügeln lassen?

Aber gerade dieses Risiko erwarte ich von Spieleentwicklern. Gerade die Independentszene mit ihren Hits wie Braid und World of Goo beweisen, dass Spieler gerne Ungewöhnliches spielen. Und was ist das wohl beste Level in Oblivion? Das Ölgemälde. Die Gegner bleiben zwar seelenlose Hüllen, aber man braucht einen entscheidenden, wortwörtlich auflösenden Zusatz, um die Gegner zu besiegen. Allein diese Gameplayvariation macht den Unterschied. Gut, der Grafikstil natürlich auch.

Gerade bei ungewöhnlichen Ideen können sich die Entwickler von Rollenspielen eine fette Scheibe bei den Adventures abschneiden. In The Book of Unwritten Tales begegnet man einem an sich selbst zweifelnden Tod, freundlichen Zombies und Gras rauchenden Tauren.
Das ginge nicht in Millionen verschlingenden Rollenspielen? Warum nicht? Ich behaupte, es geht. Venetica von Deck 13, den Ankh und Jack Keane Machern, ist auf einem recht guten Weg. Es nimmt nämlich die Adventuretugend mit, interessante Charaktere zu präsentieren.
Ich wünsche mir, dass ich mich nicht mehr nur gerne an die Zwischen- und Engegner in Rollenspielen erinnere, sondern an den Rollenspielalltag. An den raumfüllenden Inhalt, der mich im Level steigen lässt und mich auf das Finale vorbereitet.

Und es soll niemand sagen, das wäre nicht möglich.

Zensursula hat Angst

Der Artikel ist etwas ungeordnet und lang, das gebe ich zu. Das Vertrauen in mich selbst aufzubringen, tatsächlich so fleißig zu sein, das Ganze zu überarbeiten, scheint mir aber etwas leichtsinnig. Deshalb lasse ich das so. Sollte trotzdem lesbar sein.

Jüngst ließ unsere allseits vergötterte und innigst geliebte Ursula von der Leyen aka Zensursula in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt verlauten, dass die Gegner von Internetsperren „auch keine Lösung” für das Problem der Kinderpornographie (im Internet) wüssten. Dass sie im selben Interview auch noch erzählt hat, dass man darüber diskutiere, wie man »Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten« kann, möchte ich mal so im Raum stehen lassen und nicht weiter kommentieren. Dass die Ausweitung der Netzsperren damit aber noch wahrscheinlicher wird, kann trotzdem gesagt werden. Sperren um Freiheit zu erhalten… Pfiffig.

Obwohl dies viel weniger neu und brisant klingt, möchte ich auf den Vorwurf reagieren, wir wüssten ja auch keine Lösung für das Problem. Das ist nur, wenn überhaupt, die halbe Wahrheit. Denn selbst wenn wir keine globale Lösung für das perverse Problem der Kinderpornographie wissen, können wir doch etwas vorschlagen, und etwas fragen. Da die Frage in dem Vorschlag endet, fange ich mit ihr an. »Warum eigentlich ein Gesetz, für die Sperrung von etwas Verbotenem?« Ich meine das völlig ernst, auch wenn es dem ein oder anderen nicht sofort einleuchten möge, was ich damit meine. Deswegen: Wenn etwas verboten ist, warum unternimmt man nichts für die Einhaltung des Verbotes (Offensichtlich wird ja nicht genug getan.)? Warum baut man eine bürokratische Mauer, um den Zugang zu dem verbotenen Material lediglich zu sperren, bzw. zu erschweren?
Ist noch kein Politiker auf die famose Idee gekommen, die Server der Seiten zu zerstören? Das Orten der Standpunkte wäre doch wohl sicherlich keine Hürde in Zeiten des BKA-Gesetzes. Das bedürfte auch keines neuen Gesetzes. Warum auch? Die Typen finden, hinfahren, Raum stürmen, fertig. Oder vielleicht doch hinfahren, gucken, wegfahren?
Ich muss zugeben, ich kenne das deutsche Gesetzbuch nicht auswendig und schon gar nicht die Möglichkeiten der deutschen Justiz in all ihren Feinheiten. Aber wenn in einem Haushalt Kinderpornos gefunden werden, werden die doch auch sichergestellt und vernichtet. Es baut aber niemand einen Zaun drumherum und lässt sie dort liegen, in der blinden Naivität, dass niemand über den Zaun klettert.
Und braucht man ein extra Gesetz um das Material zu zerstören, den Täter zu fassen und zu verurteilen? Nein, nur das Bestehende Verbot. Es ist ja klar, dass eine Straftat begangen wurde.

Es wird ständig gefordert und daran gearbeitet, die Bürokratie in unserem Land zu verringern. Und dann kommt plötzlich ein Gesetz für Netzsperren. Wenn man zu blöd (Tschuldigung, das muss man so hart sagen) ist, die offensichtlichsten Lösungen zu nutzen und stattdessen den Grundstein für ein Heer von Internetgesetzen legt, sollte man lieber Abdanken und sich andere mit dem Problem beschäftigen lassen.
Und jetzt mag bitte niemand kommen, egal aus welchem Lager, mit der Behauptung: »Das ist alles nicht so einfach.« Wenn sich die Regierung etwas dransetzen würde, die offensive Bekämpfung von Kinderpornographie richtig möglich zu machen, dann wäre es so einfach. Es will mir doch niemand weismachen, ein Gesetz für Netzsperren sei möglich, aber nicht die Ortung und Vernichtung von Kinderpornos verbreitenden Servern und Internetseiten. Das BKA-Gesetz ermöglicht schon die Überwachung von Menschen bei »begründetem Verdacht«. Das sollte ja wohl ausreichen. Da hat man schon diese Stasigesetze und nutzt sie dann nicht. Schäuble ist sicher nicht sehr stolz.
Und wenn man die Gebäude nicht stürmen darf, schaltet man halt den Strom ab. Findet sich bestimmt auch noch ein Gesetz für. Und wenn die Server im Ausland stehen? In der EU kein Problem. Wenn doch, dann ist es bürokratischer Unfug in der EU, der dort passiert.
Wie bürokratisch ist unser Land, dass wir Gesetze diskutieren, beschließen und durchsetzen müssen, um etwas gegen Kinderpornographie zu tun? Merkt jemand was ich tue? Ich bediene mich dem Druckmittel Kinderpornographie. Bzw. der Angst davor.

Ich glaube, unsere Familienministerin hat große Angst vorm Scheitern. Große Angst davor, dass ihr Kampf gegen Kinderpornographie missglücken könnte. Deshalb hat sie die Netzsperren initiiert. Denn die sind zwar nicht sonderlich wirksam, und das weiß sie vielleicht auch, aber sie sind eine wundervolle Alibimaßnahme. Ich möchte schon beinahe Wahlkampfmittel sagen. Denn wenn die Netzsperren nicht wirken (was unausweichlich ist), was ist dann? Dann kann sie mit »reinem« Gewissen sagen, sie habe alles versucht und richtig gemacht. Es sei doch nicht ihre Schuld, dass die Sperren umgangen werden.
Wenn sie aber aktiv einen Kampf gegen Kinderpornographie führen würde, und scheiterte, dann wäre ihr Ruf im Eimer. Dann wäre sie es, die versagt hat. Dann wäre sie es, die kein Mittel gefunden hat. Wenn die Netzsperren umgangen werden, kann sie sich rausreden.
Und da komme ich auch auf meine Behauptung zurück, es sei alles so einfach. Das ist es für Politiker eben nicht. Politiker haben eine Verantwortung ihrer Partei gegenüber, sich selbst gegenüber. Bei allem was sie machen, müssen sie sich eine Notfalltür offen lassen, durch die sie schlüpfen können, falls etwas schief geht. Und genau das macht Zensursula gerade.
Doch das soll keine Entschuldigung für sie sein. Es soll nur ein Hinweis darauf sein, wie kaputt unser politisches System doch eigentlich ist. Und da haben wir, das Volk, durchaus auch ein Fünkchen Schuld dran. Denn wer wählt schon Politiker, die Fehler begehen? Richtig, kaum jemand. Aber genauso müssen sich die Politiker an die Nase fassen, die keine Risiken mehr eingehen und Fehler nicht zugeben.
Bestes Beispiel: Ulla Schmidt. Anstatt zu sagen: »Ja, das mit dem Auto war eine Scheißaktion. Das hätte ich nicht machen sollen.« Aber sie tat ja so, als sei sie im Recht gewesen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Ehrlichkeit am Ende doch immer siegt.

Es ist traurig zu sehen, dass die Politik ihren Schwerpunkt darauf verlegt hat, das Volk im Glauben zu lassen, man täte das Richtige. Nicht darauf, dass man wirklich das Richtige tut. Die Netzsperren sind eine Folge davon. Und natürlich auch Steinmeiers Wahlversprechen, er wolle, falls er Bundeskanzler wird, 4 Millionen neuen Arbeitsplätze schaffen. Das ist genauso utopisch, wie der Anspruch alles richtig zu machen. Wann gab es den letzten Politiker, der schnurstracks die Wahrheit gesagt hat, ohne Umwege? Ich kann mich an keinen erinnern.

Ursula von der Leyen mag also durch die sprichwörtliche Brutalität der Politik beeinflusst worden sein. Die Netzsperren bleiben trotzdem falsch, naiv und dumm.
Und zu dem »Wähhh, macht’s doch besser«-Argument, womit wir wieder auf den Vorwurf der nicht vorhanden Lösung unsererseits zurückkommen, muss man gar nichts mehr sagen.

Schweinegrippe - ein Medienstar #2

schweinegrippe

Vor einiger Zeit philosophierte ich über den neuen Medienliebling der Welt, die Schweinegrippe. Damals, da habe ich »vorgeschlagen« was man noch alles machen könnte, um diesen aufblühenden Star einer Krankheit so richtig profitabel auszunutzen.
Ohne zu viel Selbstbeweihräucherung (die verlockend erscheint): Ich habe Antiflue™ vorgeschlagen. Das Wundermittel um auch diese Galaxien bedrohende Killerkrankheit zu besiegen. Und natürlich, es musste ja sein. Jetzt (bald) ist er da, der Impfstoff. Natürlich reichlich unerprobt, mit nicht abgeklärten eventuellen Nebenwirkungen und womöglich gegen eine Gebühr.
Wundervoll. Die Marketingleute scheinen ihren Job an dieser Stelle tatsächlich fantastisch zu machen. Nicht nur, dass auf Expertenmagazinen wie der renommierten BILD angsteinflößende Meldungen à la “Wir werden alle sterben!” zu lesen sind, nein, auch das Fernsehen ist vollends Feuer und Flamme für dieses possierliche Vierchen.
Doch der kompletten Medienpräsenz stehen noch einige Hindernisse im Weg. Wie kann man denn, wenn eine Völker bedrohende Krankheit vor der Tür steht, über den Dienstwagen einer eingebildeten und dämlichen Politikerin berichten? Wie kann es sein, dass wir nicht ständig gewarnt werden, wo wir doch so kurz vorm Abnippeln sind? Es ist klar, da muss noch was getan werden.
Da sind solche Versuche, den Menschen zu erzählen, es gäbe nicht genug Impfstoff, schon ein beinahe fabulöser Anfang. Denn, 50 Millionen Einheiten? Bei 80 Millionen Einwohnern (von denen sich die Hälfte eh nicht impfen lässt, die anderen kein Bock haben, wieder andere nichts zahlen wollen, andere Babys sind, andere alt und gebrechlich sind…) kann das ja gar nicht reichen. Nie und nimmer. Pah.

Doch, bei all dieser Freude bei den Pharmazeutikern und Medienmenschen über die drohende Vernichtung unserer Welt, stellte sich immer die Frage: »Wie finanzieren wir das eigentlich alles? Wir wollen ja auch einen großen Gewinn rausschlagen.«
Tja, da kommt die Impfgebühr nämlich gerade recht. Man erzählt dem (verpflichtet) krankenversicherten, steuerzahlenden und in Lebensgefahr schwebenden Deutschen, die Impfung sei nicht vom Budget gedeckt. Wie auch? Schließlich kriegen wir Zahnersatz en masse, Untersuchungen wie wir wollen, gratis Arztbesuche…
Denn es ist doch messerscharf kombiniert, dass die Medienarbeit und der allgegenwärtige Angstzustand der Menschen, diese dazu bewegt, diese kleine Gebühr zu entrichten. Das hat bei den Internetsperren ja auch geklappt.
Doch höre ich Skepsis im Volk? Wer wagt es denn bitte, zu behaupten, die Schweinegrippe wäre nicht so schlimm wie einige gerne behaupten? Alles Verrückte. Wie könnte man denn auf den abstrusen Umkehrschluss kommen, dass eine Impfung, die man bezahlen muss, nicht sehr notwendig sein kann. Und dass wir die schon gratis bekommen würden, wenn wir wirklich bedroht sind?
Diesen Gedanken möge man bitte sofort verwerfen. Als ob das jemand in der Pharmaindustrie, und wer da noch mit zu tun hat, wagen würde. Niemals. Das wäre ja so verrückt, als wenn ein Gerhard Schröder behaupten würde, die Renten seien sicher.

Aber zurück zum Marketingtechnischen. Wenn man dem Volk jetzt noch verklickert, dass eine gebührenpflichtige Impfung notwendig ist, dann ist man womöglich im Olymp der Panikmache angekommen. Dann darf man sich auch als fähiger ansehen, als die Manager der Vogelgrippe, denen ja kurz vor dem Ziel der Saft ausgegangen ist.
Wenn man dem Volk jetzt noch bietet was es will (hustende Kinder, hustende Promis, Hust-Hymnen…), dann sollte dies uns helfen aus der Weltwirtschaftskrise doch noch heil rauszukommen.

P.S. Wo bleibt eigentlich Duke Nukem Pigflue?

Unerträgliche Ignoranz der Gruenen

Ich habe mich heute im Zuge eines Kommentars von Matthias Güldner, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft schon so aufgeregt, dass es nicht mehr zu einem Blog-Eintrag reicht.
Allerdings, kann man in Kenntnis des »kritischen Ergusses« auf Welt.de, der nicht allzu lang ist, nachvollziehen was ich da in meinem Kommentar geschrieben habe:
Wie es ausschaut wurden die Kommentare zu dem Artikel deaktiviert. Bei mehr als 170 empörten Kommentaren hätte ich mir das ja schon fast denken können.
Per RSS lassen sich die Kommentare aber immer noch lesen.
Ich gehe mal herzhaft lachen.
Ah, mittlerweile gehts wieder.


Herr Güldner,
in Ihrem kritischen Erguss werfen Sie uns Gegnern von Internetsperren vor, wir wüssten nicht worum es bei diesen Sperren ginge. Dabei wissen Sie aber nicht, worum es bei unserer Kritik geht.
Es geht uns um Freiheit und darum, dass das Medium Internet richtig verstanden wird. Wenn Internetseiten gesperrt werden, wird dies auch in Zukunft passieren. Ich möchte nur auf die Vorschläge einer dubiosen Politikerin hinweisen, man könne dann ja auch “Killerspiele”-Seiten sperren.
Und das bereits jetzt, wo die Sperrung von Interseiten erst in den Kinderschuhen steckt.

Kinderpornographie ist ein großes Verbrechen. Dies steht völlig außer Frage. Aber Sie, die Befürworter von Internetsperren, benutzen dies als wirksames Schockmittel um die Menschen von der Richtigkeit ihrer Vorhaben zu überzeugen. Welche Mutter würde nicht wollen, dass diese Internetseiten gesperrt werden?
Und die Antwort darauf kennen Sie ganz genau.

Hierbei zeigen sich Parallelen zu der Terrorismusproblematik. Schon da hat der Herr Schäuble viele Forderungen nach Maßnahmen aufgestellt, die uns schützen sollten. Dass sie dabei eine Einschränkung unserer Freiheitsrechte bedeuteten war doch ein kleines Übel was man hätte aufnehmen können.
Nein, war es nicht!

Falls Sie tatsächlich bis hier her gelesen haben, liebe Abgeordnete der Gruenen und auch andere Beteiligte.
Warum wurde die NPD (noch) nicht verboten? Formfehler? Ja, auch. Nicht erwiesene Verfassungswidrigkeit der NPD? Naja, kann man auch sagen. Das Bewusstsein darüber, dass das Verbot, bzw. die Sperrung von einer Partei, wohl überlegt sein sollte? Zum einen: Bringt es wirklich etwas? Zum anderen: Wird es sich nicht wiederholen?
Wir haben in unserer deutschen Geschichte schlechte Erfahrungen mit dem Verbot von Parteien gemacht. Von Internetsperren (noch) nicht. Vielleicht fehlt das Bewusstsein über möglichen Folgen?
Aber ist das Verbot der NPD nicht etwas anderes als die Sperrung von Internetseiten mit kinderpornographischem Inhalt? Nein. Bei Kinderpornographie greift der uns Menschen natürliche Schutzmechanismus und wir wollen unsere Kinder schützen. Bei der NPD dreht sich bei normal denkenden Menschen der Magen um.
Ich möchte Ihnen nicht vorwerfen, die Meinungsfreiheit in unserem Land gehörig einschränken zu wollen. Ich möchte Ihnen aber vorwerfen, dass Ihnen eine gewisse Skepsis in diesem Fall fehlt. Warum sollte man darauf vertrauen, dass es bei diesen Sperren bleibt?
Und wie sollte man darauf vertrauen, dass die im Internet gesammelten Daten nicht missbraucht werden?

Sie meinen, wir malen den Teufel an die Wand? Nein, das tun wir nicht. Es ist nur logisch, dass es Versuche geben wird, die Sperrungen auszubreiten. Wenn dies anfangs wohl aber auch nett verpackt wird, in der Form eines “Wir gegen das Böse”-Image. So, wie es momentan passiert.

Und die Frage nach dem Sinn, und die Vorsicht vor einem Missbrauch solcher Maßnehmen; das sind Argumente die bei der NPD-Debatte gelten. Aber beim Thema Internetsperren nicht? Warum?

Und man erlangt sehr leicht den Eindruck, dass Sie als Sprecher Ihrer Partei, und damit Ihre gesamte Partei, das Internet nicht nicht ernstnehmen. Sie denken es gebe keine wahre Politik über Twitter? Das denken Sie auch nur, weil Sie es nicht verstehen, diese Möglichkeit richtig zu nutzen.
Wenn man Ihren Text liest, muss einem klar sein, dass Sie das Internet als eine bloße Spielerei betrachten. Etwas, das nicht ernst zu nehmen ist. Höchstens vielleicht um über die Partei eigenen Internetseiten selbstverliebten Wahlkampfkram zu verbreiten.
Internet ist Globalisierung. Nur das wissen Sie anscheinend noch nicht.

Fangen Sie bitte an sich erst richtig zu informieren, und dann zu schreiben. Und vor allem: Realisieren Sie, dass sie die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen haben, und dass das Internet mehr ist als die Spielerei von irgendwelchen, verblödeten Technikfreaks, die kein Leben haben, und Menschen die sich in virtuellen Welten verlieren.
Ich, und viele andere, dürften Ihre Worte über Twitter, Ego-Shooter, Facebook und co. für grobe Beleidigung halten. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie ignorant und dumm Ihre Äußerungen zu diesem Thema sind. Das kann man leider nicht anders sagen.
Sie verstehen weder die Jugendkultur, noch die globale Vernetzung von Menschen. Sie denken nicht einmal daran, dass Ego-Shooter/Videospiele nicht die Auslebungen von kranken Gewaltphantasien sind. Es sind Spiele. Und Twitter und Facebook, sind die zentrierten und modernisierten Varianten von Märkten, auf denen Menschen laut ihre Meinung rufen, und sich treffen.
Davor braucht man keine Angst zu haben.
Nein, das braucht man wirklich nicht. Aber man darf Angst haben vor Menschen, die mit der Verbotskeule schwingen, obwohl sie gar nicht wissen was sie da tun.