Unerträgliche Ignoranz der Gruenen

Ich habe mich heute im Zuge eines Kommentars von Matthias Güldner, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft schon so aufgeregt, dass es nicht mehr zu einem Blog-Eintrag reicht.
Allerdings, kann man in Kenntnis des »kritischen Ergusses« auf Welt.de, der nicht allzu lang ist, nachvollziehen was ich da in meinem Kommentar geschrieben habe:
Wie es ausschaut wurden die Kommentare zu dem Artikel deaktiviert. Bei mehr als 170 empörten Kommentaren hätte ich mir das ja schon fast denken können.
Per RSS lassen sich die Kommentare aber immer noch lesen.
Ich gehe mal herzhaft lachen.
Ah, mittlerweile gehts wieder.


Herr Güldner,
in Ihrem kritischen Erguss werfen Sie uns Gegnern von Internetsperren vor, wir wüssten nicht worum es bei diesen Sperren ginge. Dabei wissen Sie aber nicht, worum es bei unserer Kritik geht.
Es geht uns um Freiheit und darum, dass das Medium Internet richtig verstanden wird. Wenn Internetseiten gesperrt werden, wird dies auch in Zukunft passieren. Ich möchte nur auf die Vorschläge einer dubiosen Politikerin hinweisen, man könne dann ja auch “Killerspiele”-Seiten sperren.
Und das bereits jetzt, wo die Sperrung von Interseiten erst in den Kinderschuhen steckt.

Kinderpornographie ist ein großes Verbrechen. Dies steht völlig außer Frage. Aber Sie, die Befürworter von Internetsperren, benutzen dies als wirksames Schockmittel um die Menschen von der Richtigkeit ihrer Vorhaben zu überzeugen. Welche Mutter würde nicht wollen, dass diese Internetseiten gesperrt werden?
Und die Antwort darauf kennen Sie ganz genau.

Hierbei zeigen sich Parallelen zu der Terrorismusproblematik. Schon da hat der Herr Schäuble viele Forderungen nach Maßnahmen aufgestellt, die uns schützen sollten. Dass sie dabei eine Einschränkung unserer Freiheitsrechte bedeuteten war doch ein kleines Übel was man hätte aufnehmen können.
Nein, war es nicht!

Falls Sie tatsächlich bis hier her gelesen haben, liebe Abgeordnete der Gruenen und auch andere Beteiligte.
Warum wurde die NPD (noch) nicht verboten? Formfehler? Ja, auch. Nicht erwiesene Verfassungswidrigkeit der NPD? Naja, kann man auch sagen. Das Bewusstsein darüber, dass das Verbot, bzw. die Sperrung von einer Partei, wohl überlegt sein sollte? Zum einen: Bringt es wirklich etwas? Zum anderen: Wird es sich nicht wiederholen?
Wir haben in unserer deutschen Geschichte schlechte Erfahrungen mit dem Verbot von Parteien gemacht. Von Internetsperren (noch) nicht. Vielleicht fehlt das Bewusstsein über möglichen Folgen?
Aber ist das Verbot der NPD nicht etwas anderes als die Sperrung von Internetseiten mit kinderpornographischem Inhalt? Nein. Bei Kinderpornographie greift der uns Menschen natürliche Schutzmechanismus und wir wollen unsere Kinder schützen. Bei der NPD dreht sich bei normal denkenden Menschen der Magen um.
Ich möchte Ihnen nicht vorwerfen, die Meinungsfreiheit in unserem Land gehörig einschränken zu wollen. Ich möchte Ihnen aber vorwerfen, dass Ihnen eine gewisse Skepsis in diesem Fall fehlt. Warum sollte man darauf vertrauen, dass es bei diesen Sperren bleibt?
Und wie sollte man darauf vertrauen, dass die im Internet gesammelten Daten nicht missbraucht werden?

Sie meinen, wir malen den Teufel an die Wand? Nein, das tun wir nicht. Es ist nur logisch, dass es Versuche geben wird, die Sperrungen auszubreiten. Wenn dies anfangs wohl aber auch nett verpackt wird, in der Form eines “Wir gegen das Böse”-Image. So, wie es momentan passiert.

Und die Frage nach dem Sinn, und die Vorsicht vor einem Missbrauch solcher Maßnehmen; das sind Argumente die bei der NPD-Debatte gelten. Aber beim Thema Internetsperren nicht? Warum?

Und man erlangt sehr leicht den Eindruck, dass Sie als Sprecher Ihrer Partei, und damit Ihre gesamte Partei, das Internet nicht nicht ernstnehmen. Sie denken es gebe keine wahre Politik über Twitter? Das denken Sie auch nur, weil Sie es nicht verstehen, diese Möglichkeit richtig zu nutzen.
Wenn man Ihren Text liest, muss einem klar sein, dass Sie das Internet als eine bloße Spielerei betrachten. Etwas, das nicht ernst zu nehmen ist. Höchstens vielleicht um über die Partei eigenen Internetseiten selbstverliebten Wahlkampfkram zu verbreiten.
Internet ist Globalisierung. Nur das wissen Sie anscheinend noch nicht.

Fangen Sie bitte an sich erst richtig zu informieren, und dann zu schreiben. Und vor allem: Realisieren Sie, dass sie die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen haben, und dass das Internet mehr ist als die Spielerei von irgendwelchen, verblödeten Technikfreaks, die kein Leben haben, und Menschen die sich in virtuellen Welten verlieren.
Ich, und viele andere, dürften Ihre Worte über Twitter, Ego-Shooter, Facebook und co. für grobe Beleidigung halten. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie ignorant und dumm Ihre Äußerungen zu diesem Thema sind. Das kann man leider nicht anders sagen.
Sie verstehen weder die Jugendkultur, noch die globale Vernetzung von Menschen. Sie denken nicht einmal daran, dass Ego-Shooter/Videospiele nicht die Auslebungen von kranken Gewaltphantasien sind. Es sind Spiele. Und Twitter und Facebook, sind die zentrierten und modernisierten Varianten von Märkten, auf denen Menschen laut ihre Meinung rufen, und sich treffen.
Davor braucht man keine Angst zu haben.
Nein, das braucht man wirklich nicht. Aber man darf Angst haben vor Menschen, die mit der Verbotskeule schwingen, obwohl sie gar nicht wissen was sie da tun.

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